Die Transformation des Schweizer Energiesystems folgt einer klaren Logik: Der Bund zieht sich langsam aus der direkten Stromerzeugung zurück. Was früher grosse staatliche Kraftwerke leisteten, gesicherte Kapazität, kalkulierbare Einspeisung, Versorgungssicherheit, soll künftig durch dezentrale, private Anlagen erbracht werden. Photovoltaik auf Hunderttausenden von Dächern statt wenige Grossanlagen in staatlicher Hand.

Das ist eine politische Grundentscheidung. Wir als Unternehmen tragen sie. Aber sie wirft eine Frage auf, die selten direkt beantwortet wird: Was ist in diesem neuen System überhaupt noch Aufgabe des Staats?

Warum private Investoren?

Die Antwort liegt in zwei Ressourcen, die der Staat strukturell nicht hat und die Private haben: Kapital und versiegelte Fläche.

Die Schweiz braucht bis 2050 Photovoltaikleistung in einer Grössenordnung, die mit staatlichem Budget allein nicht finanzierbar wäre. Hauseigentümer, Landwirte, Gewerbetreibende und Liegenschaftseigentümer investieren ihr Geld und tragen das Investitionsrisiko. Der Staat setzt Anreize, zahlen und bauen tun die Privaten.

In versiegelten Flächen liegt ein oft übersehener Vorteil des dezentralen Weges. Bestehende Dachflächen, Parkplätze, Fassaden sind bereits versiegelt, bereits erschlossen, bereits im Besitz der Privaten. Neue Bodenversiegelung entfällt. Eine PV-Anlage auf dem Scheunendach kommt ohne zusätzlichen Landverbrauch aus. Das ist ökologisch sauber, baurechtlich einfach und gesellschaftlich akzeptiert. Kein neues Land. Keine neuen Einsprachen. Nur eine neue Nutzung für das, was schon steht.

Was bleibt Aufgabe des Staats?

Die Netze, die dezentral erzeugten Strom aufnehmen, transportieren und verteilen müssen, sind eine Investitionsaufgabe von historischem Ausmass. Milliarden in den Umbau von Übertragungs- und Verteilnetzen. Netzverstärkungen, die durch erneuerbare Erzeugungsanlagen ausgelöst werden, trägt nicht der einzelne Produzent allein, sondern solidarisch die Gesellschaft. Erzeugung privatisiert, Netzausbau solidarisiert, das ist die Logik.

Fördermechanismen wie Einmalvergütungen, Mindestabnahmetarife, die regulatorischen Rahmen für ZEV, vZEV und LEG, das ist die staatliche Aufgabe der Rahmensetzung. Sie schafft Investitionssicherheit für Private, ohne jeden Franken direkt steuern zu müssen. Gut gesetzte Leitplanken ersetzen staatliche Planung durch privaten Unternehmergeist. Schlecht gesetzte Leitplanken bremsen ihn.

Gelebte Demokratie

Wir wären unehrlich, wenn wir sagten, das funktioniere reibungslos. Unterschiedliche Interessen zwischen Produzenten und Netzbetreibern, zwischen Investoren und Gemeinden, zwischen kurzfristiger Rentabilität und langfristiger Systemlogik bremsen das Tempo. Bewilligungsverfahren dauern. Förderprogramme sind überlastet. Netzanschlüsse werden verzögert.

Das ist keine Dysfunktion. Das ist Demokratie.

Ein System, in dem Millionen von Privaten Entscheidungen treffen, staatliche Institutionen Rahmenbedingungen setzen und Parlamente Kompromisse aushandeln, ist per Konstruktion langsamer als eine zentrale Planwirtschaft. Und per Konstruktion fairer, robuster, anpassungsfähiger.

Die Energiewende ist kein staatliches Projekt. Sie ist kein privates Projekt. Sie ist ein grosses Miteinander zwischen Eigentümern, die ihre Dächer öffnen, Handwerkern, die installieren, Netzbetreibern, die ausbauen, und einer Politik, die den Rahmen setzt und anpasst.

Manchmal langsam. Manchmal reibend. Gelebte Demokratie eben.

Wir bei PhotonicEnergy akzeptieren diese Realität und arbeiten trotzdem so schnell wie möglich. Weil das Potenzial auf den Dächern der Region nicht wartet.

Autor: Jan Marbach · Veröffentlicht: Mai 2025 · Lesedauer: ca. 3 Minuten